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Kirchengemeinde St. Petri in Cuxhaven.
Über der Nordsee spannt sich der Himmel weit und offen wie ein Versprechen. Wenn ich am Deich stehe, den Blick hinaus auf das Wasser gerichtet, merke ich schnell: Hier oben ist nichts eng. Der Himmel hat Raum – für Wolken, für Licht, für Gedanken. Er ist nicht zu fassen und doch ganz nah. Manchmal reicht ein tiefer Atemzug salziger Luft, und ich habet das Gefühl: Mehr Weite geht nicht.
Und dann feiern wir Himmelfahrt.
Ein Fest, das leicht missverstanden wird – als würde da einer einfach nach oben verschwinden. Doch der „Himmel“ der Himmelfahrt ist kein Ort zwischen den Wolken, kein Ziel, das ein Flugzeug erreichen könnte. Es ist ein anderer Himmel. Einer, der nicht über uns liegt, sondern uns umgibt. Einer, der nicht in Kilometern gemessen wird, sondern in Vertrauen, Hoffnung und Gegenwart.
Dabei ist unser Blick nach oben heute nicht mehr unschuldig. Der Himmel ist voller Flugrouten, Kondensstreifen durchziehen ihn wie Linien auf einer Landkarte. Zivile Maschinen bringen Menschen in den Urlaub oder nach Hause. Gleichzeitig wissen wir: Es gibt auch andere Flugzeuge. Militärjets, Drohnen – lautlos manchmal, aber voller Bedrohung. Der Himmel, der einmal für Freiheit stand, ist für viele auch ein Ort der Angst geworden.
Und doch bleibt da noch ein anderer Himmel. Einer, der sich nicht vereinnahmen lässt. Wenn Möwen ihre Kreise ziehen, wenn ein Schwarm Vögel seiner Wege zieht, wenn Schmetterlinge über die Dünen tanzen oder Bienen summend von Blüte zu Blüte fliegen. Wenn die Sonne das Wasser zum Glitzern bringt, der Mond eine Spur ins Meer malt und nachts die Sterne aufleuchten. Dieser Himmel erzählt leise davon, dass das Leben mehr ist als das, was wir kontrollieren oder bedrohen.
Vielleicht ist das die Spur von Himmelfahrt: Dass der Himmel nicht weg ist. Dass er sich nicht auf das reduzieren lässt, was wir Menschen aus ihm machen – weder technisch noch militärisch. Sondern, dass er ein Zeichen bleibt für Gottes Nähe, die sich nicht festhalten lässt und doch da ist.
In einem Lied heißt es: „Weißt du, wo der Himmel ist? Außen oder innen? Eine Handbreit rechts und links – du bist mitten drinnen.“ Vielleicht liegt darin eine Wahrheit, die wir gerade heute brauchen. Der Himmel ist nicht nur über uns. Er beginnt dort, wo Menschen einander Raum geben, wo Frieden möglich wird, wo Hoffnung aufleuchtet.
Und so stehen wir wieder am Deich, schauen hinauf in diesen weiten norddeutschen Himmel. Wolken ziehen, das Licht verändert sich, der Wind erzählt seine eigenen Geschichten. Und für einen Moment ahnen wir: Dieser Himmel ist größer als alles, was wir in ihn hineinlegen. Größer als Angst und größer als Technik. Weit wie ein Versprechen. Und wir stehen mittendrin.
Ich wünsche Ihnen und euch einen solchen Himmel zum Himmelfahrtstag und für alle Tage!
Martina Weber, Pastorin in St. Petri - Cuxhaven